Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 2007 [Druckversion]
Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 2007
Im 19. Band des Jahrbuchs geht es vornehmlich um Eugen Richter und damit um einen der bekanntesten Freisinnigen des Deutschen Kaiserreichs und um den Liberalismus seiner Zeit, denen insgesamt 11 Aufsätze gewidmet sind.
Thematischer Schwerpunkt ist in diesem Jahr der deutsche und europäische Liberalismus im Zeitalter von Eugen Richter (1838-1906). Der bekannte Freisinnige ist von Zeitgenossen und Nachwelt sehr unterschiedlich beurteilt worden: Für die einen ist er eine „Lichtgestalt“ des entschiedenen Liberalismus mit großem politischen Weitblick, für andere eher ein Dogmatiker mit wenig politischem Fortune. Sicherlich war sein öffentliches Wirken von einer gewissen Tragik gekennzeichnet, wie es der Nachruf von Friedrich Naumann zum Ausdruck brachte: Richter „hatte das Schicksal, das Rückzugsgefecht des deutschen Liberalismus führen zu müssen, und konnte dabei wenig wirklich frohe Tage erleben.“
Um Richters politische Bilanz besser einordnen zu können, wird sie in den Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung der liberalen Parteien innerhalb des Deutschen Kaiserreiches und in den großen Nachbarstaaten im Westen und Süden gestellt; zudem werden mit Richters Konzept konkurrierende Modelle liberaler Politik, u. a. von Friedrich Naumann und des Sozial- sowie Nationalliberalismus, analysiert und schließlich auf Richters Bedeutung für die Gegenwart eingegangen.
Weitere Beiträge gelten den Aufzeichnungen Eugen Schiffers aus dem Zweiten Weltkrieg und der liberalen Kommunalpolitik in Göttingen nach 1945. Abgerundet wird der Band mit der Vorstellung von rund 15 wissenschaftlichen Neuerscheinungen zu Liberalismus und Bürgertum aus dem In- und Ausland.
Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung
Herausgegeben im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit von Birgit Bublies-Godau, Monika Fassbender, Hans-Georg Fleck, Jürgen Frölich, Hans-Heinrich Jansen und Beate-Carola Padtberg.
19 Bd., Nomos Verlag, Baden-Baden, 349 S., 34,-- €
ISBN 978-3-8329-2943-5
Aus dem Inhalt:
Themenschwerpunkt Eugen Richter und der Liberalismus seiner Zeit
Ansgar Lauterbach
Zwischen Reform und Opposition: Zum politischen Selbstverständnis von National- und Fortschrittsliberalen in der Ära Bismarck
Jürgen Frölich
Der linksliberale Freisinn – die Partei Eugen Richters? – Einige Überlegungen
Hans-Georg Fleck
Benevolenz, Mißachtung, Misstrauen trotz „Schicksalsgemeinschaft“ – Organisierter Linksliberalismus und sozialliberale Gesellschaftsreform zu Zeiten Eugen Richters
Ralf Roth
Leopold Sonnemann und seine Stadt – Kommunalliberalismus am Beispiel von Frankfurt am Main
Gerd Fesser
Friedrich Naumann als Antipode Eugen Richters
Ulrich Naumann
Ein maßgebender Genossenschaftler und „Fortschrittsmann“ der ersten Generation – Ludolf Parisius
Detlev Mares
Goodbye Gladstone – Die liberale Partei im spätviktorianischen Großbritannien 1886-1906
Thomas Raithel
Liberalismus in Frankreich um 1890
Patrick Ostermann
Die Leitidee des Risorgimento vor dem Hintergrund des ‚italienischen Kulturkampfes’ am Ende des Ottocento
Lothar Höbelt
Der „schwarz-gelbe“ Reichskritikus: Eduard Herbst (1820-1892)
Detmar Doering
Eugen Richters Bedeutung für die Gegenwart
Weitere Beiträge
Hellmut Seier
Eugen Schiffer als Zeitbeobachter 1941/42 – Zu einem unbekannten Kriegstagebuch des früheren Reichsministers
Thomas Klingebiel
Gouvernemental – National – Liberal? – Die Gründung und die Anfänge der FDP in Göttingen (1946-1953)
Rezensionen
Joachim Kermann/ Gerhard Nestler/ Dieter Schiffmann (Hrsg.): Freiheit, Einheit und Europa. Das Hambacher Fest von 1832 – Ursachen, Ziele, Wirkungen – Birgit Bublies-Godau
Thomas Brendel: Zukunft Europa? Das Europabild und die Idee der internationalen Solidarität bei den deutschen Liberalen und Demokraten im Vormärz (1815-1848) – Birgit Bublies-Godau
Natascha Doll: Recht., Politik und ‚Realpolitik’ bei August Ludwig von Rochau (1810-1873). Ein wissenschaftlicher Beitrag zum Verhältnis von Politik und Recht im 19. Jahrhundert – Jürgen Frölich
Harald Biermann: Ideologie statt Realpolitik. Kleindeutsche Liberale und auswärtige Politik vor der Reichsgründung – Beate-Carola Padtberg
Holger Starke (Hrsg.): Geschichte der Stadt Dresden, Bd. 3 – Von der Reichsgründung bis zur Gegenwart – Karl Heinrich Pohl
Eric Kurlander: The Price of Exclusion. Ethnicity, National Identity and the Decline of German Liberalism, 1898-1933 – Hartwin Spenkuch
Gangolf Hübinger/ Andreas Terwey (Hrsg.): Ernst Troeltsch: Fünf Vorträge zu Religion und Geschichtsphilosophie für England und Schottland. Der Historismus und seine Überwindung (1924) / Christian Thought. Its History and Application (1923) – Matthias Wolfes
Jonathan Wright: Gustav Stresemann. Weimars größter Staatsmann
Thomas H. Wagner: „Krieg oder Frieden. Unser Platz an der Sonne.“ Gustav Stresemann und die Außenpolitik des Kaiserreichs bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs – Jürgen Frölich
Joachim Wintzer: Deutschland und der Völkerbund 1918-1926 – Matthias Hannemann
Guido Verrucci: Idealisti all’indice – Croce, Gentile e la condanna del Sant’Uffizio – Patrick Ostermann
Christopher Kopper: Hjalmar Schacht. Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Banker – Jürgen Frölich
Thilo Ramm: Eugen Schiffer. Ein Nationalliberaler Jurist und Staatsmann 1860-1954 – Franz-Josef Kos
Volker Depkat: Lebenswenden und Zeitwenden. Deutsche Politiker und die Erfahrungen des 20. Jahrhundert – Jürgen Frölich
Stephanie Zibell: Politische Bildung und demokratische Verfassung. Ludwig Bergsträsser (1883-1960) – Michael Roick
Christof Brauers: Die FDP in Hamburg 1945 bis 1953. Start als bürgerliche Linkspartei – Beate-Carola Padtberg
Michael Klein: Westdeutscher Protestantismus und politische Parteien. Anti-Parteien-Mentalität und parteipolitisches Engagement von 1945 bis 1963 – Hans-Heinrich Jansen
Frieder Günther: Heuss auf Reisen. Die auswärtige Repräsentation der Bundesrepublik durch den ersten Bundespräsidenten – Lutz Sartor
Udo Leuschner: Die Geschichte der FDP. Metamorphosen einer Partei zwischen rechts, sozialliberal und neokonservativ – Lutz Sartor
Jens Hacke: Philosophie der Bürgerlichkeit. Die liberalkonservative Begründung der Bundesrepublik – Detmar Doering
Jürgen Frölich (Hrsg.): Wolfgang Schollwer: „Da gibt es in der FDP noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten…“. Aufzeichnungen aus der FDP-Bundesgeschäftsstelle 1966-1970 – Volker Erhard
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